Der Geländelauf von Kerzers



von Moritz Siegenthaler


Wie damals der Geländelauf von Kerzers entstanden ist, kann nach 50 Jahren kaum noch jemand genau sagen. 1959 war es, als einige Turner des Tunverein Kerzers am Bösinger Lauf teilgenommen haben. Ich ging als Zuschauer mit und das hat mir nicht schlecht gefallen. Bei einem Verantwortlichen des Bösinger Laufes erkundigte ich mich, ob es noch andere solche Läufe in der Region gäbe. Dieser gab mir zur Antwort, dass es eine Läufervereinigung gäbe, wo die Auschreibung mit allen Volksläufen bestellt werden könne. Ich habe mir diese Auschreibung bestellt und 1960 auch gleich selber am Erlacher Waldlauf teilgenommen.

Eigener Mut und viel Skepsis beim Vorstand
Im Herbst 1960 habe ich dem Vorstand des Turnverein Kerzers den Vorschlag unterbreitet, in Kerzers auch einen Geländelauf zu organisieren. Das Interesse war nicht besonders gross, der Widerstand und die Skepsis jedenfalls grösser. Der Vorstand empfahl mir, die Organisation doch selber an die Hand zu nehmen. Und damit meinten sie nicht nur die Gesamtverantwortung zu tragen, sondern auch eine passende Strecke zu suchen, alle organisatorischen Vorarbeiten zu übernehmen und auch noch gleich freiwillige Helfer zu suchen.

Ich liess mich nicht von meinem Plan abbringen und fing unverzüglich mit den Vorarbeiten an. Einige Tage später meldete ich der Läufervereinigung das Datum für den 1. Geländelauf von Kerzers. Bei der Firma Kramer und Huguenin bestellte ich auch gleich Prospekte für die Bestellung der Medaillen. Das Medaillensujet prägte die Titelseite der Auschreibung die ich selber verfasste und drucken liess. Bald waren auch Sponsoren gefunden die den Druck des Plakates ermöglichten. Erfreulicherwiese stellten sich dann auch spontan Helfer zur Verfügung um die Plakate im ganzen Seeland, in Freiburg und Bern anzuschlagen. Gross war der Arbeitsaufwand für den Postversand der Ausschreibungen, denn die Nachfrage war zu meiner eigenen Überraschung sehr gross. Verschiedene Firmen kontaktierete ich daraufhin für Fähnchen zwecks Markierung der Strecke und auch Startnummern mussten irgendwie organisiert werden. Die Firma Knorr meldete sich bei mir um beim Verpflegungsstand am Ziel Bouillon auszuschenken. Nach langem hin und her fand ich auch drei Helfer die sich bereit erklärten die Startkärtchen für die Läufer zu schreiben. Um die Arbeit anderer Organisatoren zu beobachten und Erfahrungen zu sammeln, nahm ich als Läufer an Veranstaltungem in Bösingen, Kirchberg, Grosshöchstetten und Rohrbach teil. Als ich dann dem Turnverein den Stand meiner Arbeit und die Zahl der gemeldeten Läufer mitteilte, ja da änderte sich die Haltung des Vorstandes blitzartig. Alle waren begeistert und standen plötzlich wie ein Mann hinter mir. Sie waren bereit mitzuhelfen und die verschiedenen Aufgaben waren sofort verteilt. Am 22. Oktober 1961 war es dann soweit.
Nicht weniger als 600 Läufer standen am Start, was zu dieser Zeit ein beachtliches Teilnehmerfeld war. Der Anlass verlief reibungslos und die freiwilligen Helfer leisteten ganze Arbeit. Der Geländelauf von Kerzers war geboren.

Viel Handarbeit statt schnelle Computer
Natürlich standen uns damals für die Zeiterfassung und Resultatauswertung keine Computer zur Verfügung. Gleich nach der Ziellinie wurden den Läufern die Startkärtchen abgenommen und bei den ersten 5 gleich die Laufzeit direkt aufs Kärtchen notiert. Fortlaufend wurden die Kärtchen dann in der entsprechenden Reihenfolge gebündelt und ein Kurier brachte diese nach Schluss des Rennens der jeweiligen Kategorie sofort ins Rechnungsbüro. Dieses befand sich im Haus der Gärtnerei Stocker. Sekreteärinnen und Helfer waren dort bereit um die Ranglisten in die Schreibmaschine zu tippen. Die Originalisten wurden mit Blaupausen verfielvältigt und eine knappe Stunde später konnte eine Rangliste zum Preis von 50 Rappen gekauft werden.

Rekordbeteiligung mit 1100 Läufern
Die folgenden vier Austragungen verliefen in ungefähr gleichem Rahmen. Geändert wurde das Verteilen der Startkärtchen. Dieses wurde mit der Startnummer in ein Kuvert verpackt und vor dem Rennen den Läufern ausgehändigt. Anstelle von Knorr konnten wir die Firma Wander gewinnen, die Ovomaltine an die Läufer ausschenkte. Daneben betrieb der Verein eine Buvette um den Zuschauern eine Verpflegungsmöglichkeit zu bieten. Die Geländeläufe waren immer sehr gut besucht. Die grösste Teilnehmerzahl waren 1100 Läufer.

Das Aus kam bereits 1965
Ende 1965 hatte ich genug. Der organisatorische Aufwand wurde mir zu viel, denn ich war in dieser Zeit zusätzlich noch im Organisationskomitee für das  Kantonale Turnfests in Kerzers engagiert. Mir fehlte einfach die Zeit um alle meine ehrenamtlichen Tätigkeiten unter einen Hut zu bringen. Vergeblich suchte der Turnverein nach einem passenden Nachfolger. Den Meisten war mein Amt mit zuviel Arbeit verbunden und so wurde der Geländelauf von Kerzers nach nur gerade fünf Austragungen beerdigt.

Heute glaube ich, dass aus der Idee des damaligen Geländelaufes und dem späteren Langstreckenlauf der Kerzerslauf entstanden ist. Vieles hat sich im Laufe der Jahre verändert, eines ist bei der Organisation solcher Anlässe jedoch gleich geblieben. Es braucht immer noch Menschen die Freude am Sport haben, Menschen die eine Vision haben und auch bereit sind Verantwortung zu übernehmen.


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